Haftung der Revisionsstelle einer AG

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Für ihre Handlungen kann auch die Revisionsstelle einer AG zur Rechenschaft gezogen bzw. in Haftung genommen werden. Dabei bezieht sich die Haftung der Revisionsstelle sowohl gegenüber der Gesellschaft, den Aktionären und den Gesellschaftsgläubigern. Die Haftung der Revisionsstelle kommt dabei in Betracht, wenn diese einen Schaden verursacht hat, und durch die Verletzung der Pflichten, die die Revisionsstelle gegenüber der AG übernommen hat. Dies bezieht sich auf die diversen Prüfungspflichten, die eine Revisionsstelle in der AG übernimmt und auf die Berichterstattungspflichten. Zudem können auch Anzeigepflichten verletzt worden sein, die letztlich zu einer Haftung führen. Es handelt sich in der Praxis meist um Unterlassungen im Rahmen der Aufdeckung von Gesetzesverstößen, die zur Aufgabe der Revisionsstelle gehören. Dabei betrifft die Haftung der Revisionsstelle ein Fehlverhalten dieses Organs. Damit der Revisionsstelle aber eine Haftung auferlegt werden kann, muss ein Schaden entstanden sein, der eindeutig auf das Verschulden dieses Organs zurückzuführen ist. Das heißt es muss zwischen dem Schaden und dem Verschulden ein Kausalzusammenhang bestehen. Dabei muss der Kläger sowohl den Schaden, wie auch das Verschulden der Revisionsstelle und deren Pflichtverletzung und den Kausalzusammenhang nachweisen. Als Schaden gilt dabei eine Vermögensminderung des Geschädigten. Eine Möglichkeit für den Geschädigten zu klagen besteht dann, wenn dieser ohne das Fehlverhalten der Revisionsstelle mehr Aktiva hätte bzw. weniger Passiva. Denn die Schweizer Gerichte gehen in derartigen Fällen immer von der Differenztheorie aus.

Haftung der Revisionsstelle gegenüber der Gesellschaft

Die Gesellschaft selbst kann ebenfalls gegen die Revisionsstelle klagen, nämlich in einem derartigen Fall, wenn die Revisionsstelle eine Überschuldung festgestellt hatte und diese nicht einem Richter angezeigt hat und der Konkurs der Gesellschaft hat eröffnet werden müssen. In einem derartigen Fall handelt es sich um einen sogenannten Fortsetzungsschaden. Unterschieden wird hierbei zwischen einem indirekten und einem direkten Schaden. Diese Unterscheidung spielt insbesondere im Bezug auf die Anspruchsberechtigung des einzelnen Geschädigten eine sehr wichtige Rolle. Dabei gibt es an die Revisionsstelle von allen Seiten eine hohe Erwartungshaltung, da dieses Organ einer AG für die Prüfung und die Berichterstattung der Jahresrechnungen verantwortlich ist. Allerdings kann die Revisionsstelle keine falschen Jahresrechnungen korrigieren und auch auf keine Entscheidungen der Geschäftsführung Einfluss nehmen. Dies wird im Fall der Haftung der Revisionsstelle natürlich auch entsprechend gewürdigt. Gleiches gilt auch für die „expectation gap”, für die Erwartungslücke. Tatsache ist nämlich, dass Aktionäre, Gläubiger und auch Investoren oftmals sehr hohe Erwartungen in die Tätigkeit der Revisionsstelle haben. Werden diese aber nicht erfüllt, können Aktionäre, Gläubiger und Investoren nicht die Revisionsstelle in Haftung nehmen.